Mein Auslandsjahr und Ich...es geht um akzeptieren und los lassen

In einem Packet von meinen Eltern war auch dieser schöne Stoff drin, lange wusste ich allerdings nicht was es werden sollte. Nach langem hin und her überlegen habe ich mich für ein Top entschieden, doch dann bemerkte ich das es nur 0,5 m waren. Ein kleiner Schock  für meine Mama, da sie doch 0,7 m gekauft hat, damit ich ein T-Shirt raus nähen kann. Da ich aber dennoch ein Top nähen wollte hab ich einfach drauf los geschnitten und die Ideen die nach und nach kamen versucht umzusetzen. So enstand (m)ein Top mit Schösschen. Hinten ist es auch noch ein kleines bisschen länger als vorne. Ich bin total glücklich und habe es auch grade mal wieder an, denn es ist schon vor längerer Zeit enstanden, genau wie die Fotos. Ich glaube auch meine Mama freut sich endlich Fotos zu sehen, denn nur von Erzählungen ist es doch ein bisschen schwer zu wissen wie es aussieht, denn Bilder sagen mehr als 1000 Worte.
Eigentlich sollte der Post jetzt online gehen, um 00:00, aber wie ich im letzten Post schon gesagt habe geht bei mir selten etwas nach Plan. Ich habe mich grade noch lange mit meiner Freundin, die auch Austauschschülerin hier in Finnland ist unterhalten. In 32 Tagen geht es nach Hause.  1/11 bleibt uns noch von dem "besten Jahr unseres Lebens", in Anführungszeichen, da ich diesem Statement so nicht zustimmen kann.
 Es ist kein Jahr mit nur Spaß und nur tollen Erfahrungen und Erlebnissen und auch die Freunde fallen nicht vom Himmel. Immer wieder musste ich mich zusammen reißen, mir neuen mut machen und sie wieder und wieder ansprechen, ich musste versuchen freundlich zu sein, egal wie wenig ich geschlafen oder welche Laune ich hatte. Ich habe einmal die Stadt und somit auch die Schule gewechselt, war wieder am Nullpunkt, wieder am Anfang. Aller Anfang ist bekanntlich schwer, aber ich habe es geschafft. Ab und zu bin ich alleine Essen gegangen, es gab Tage an denen sich welche für mich interessiert haben, es gab Tage an denen ich lieber wieder zurück in mein Bett gekrochen wäre. Ich habe nicht nur gute Erfahrungen gemacht, aber die positiven lassen sich doch beser merken. Ich werde nicht in Deutschland erzählen und vielleicht mich auch nach einer Zeit nicht mehr erinnern, das hier und da über mein finnisch gelacht wurde, mich jemand schräg angeschaut hat oder sonst irgendwas, ich werde von meinen tollen Erlebnissen erzählen, die einen Platz in meinem Herzen ergattert haben. Morgen ist der letzte Schultag, ich werde fast alle zum letzten mal sehen, vielleicht für immer. Jeder der mir Hallo gesagt hat oder mich nur angelächelt hat, hat mir etwas geschenkt, ich weis nicht ob es die Personen selbst wissen wie viel es für mich bedeutet hat. Aber ich fange langsam an zu realisieren, das das hier bald alles nicht mehr ist. Nie wieder....nie wieder werde ich hier in die Schule gehen...und so viel mehr. Die Leute sagen, ich kann ja Kontakt mit meiner Familie und Freunden hier halten, aber das ist leichter gesagt als getan. In Deutschland wusste ich das ich nach einem Jahr wieder kommen werde und hier? Wann komme ich wieder? Wen sehe ich jemals wieder? Ich weis es nicht.
Ich muss alles auf mich zukommen lassen, auch mein Leben in Deutschland. Ich habe Angst vorm zurück kommen, wie wird es sein? Sind meine Freunde noch meine Freunde? Ich habe so viele  Gedanken, die ich nicht beantworten kann, was auch gut ist, denn das ist Leben.
Ich mochte Achterbahnen noch nie gerne, aber ich befinde mich auf einem städigen auf und ab und bin mitten drin in (m)einer Achterbahn fahrt...
Ich akzeptiere mein Auslandsjahr mit allen Seiten, den Guten und den Schlechten, jetzt würde ich vielleicht das ein oder andere auch anders machen, aber hätte ich es nicht so gemacht wie ich es gemacht habe, wie wäre ich dann jetzt? Ich habe mich verändert und viel gelernt, aber gibt es überhaupt so etwas wie einen falschen Weg?
Ich genieße mein Leben und bin Dankbar es leben zu dürfen. Ich bin glücklich, ich bin traurig und manchmal auch zur gleichen Zeit. Ich habe mich kennen gelernt und weis über mich bescheid und nur ich weis was ich mag und was das beste für mich ist, ich stehe zu mir, und auch zu meinen Macken und Fehlern die ich mache. Denn aus Fehlern lernt man bekanntlich.
Zutaten: 
Jersey: Stoffladen Deutschland (geschenkt bekommen) 
Schnitt: eigener
verlinkt: RUMS

Kommentare

  1. Sehr emotionale Worte und Gedanken. Ich finde es schön, dass du uns daran teilhaben lässt!
    Zu deinem Top noch abschließend: Ich finde es sehr schön, besonders das leicht ausgestellte und die taillierte Mitte finde ich toll. Hast du mal wieder gut gebastelt ;)
    Liebe Grüße und einen schönen letzten Schultag,
    Fredi

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  2. Superschönes Top und traumhafte Bilder gemeinsam mit einem durchaus berührenden Text. Ganz toll...

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  3. EIn sehr schönes Top hast du da aus 0,5 Metern Stoff gezaubert...manchmal macht Not doch erfinderisch! Und den Text hast du sehr schön geschrieben! Deine Worte und Gedanken zu deinem Auslandsjahr kann ich gut nachvollziehen!

    Liebe Grüße
    Kristina

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  4. Du hast ein tolles Top genäht und wunderschöne Fotos gemacht. Vor allem aber hast du sehr schöne Worte gefunden!

    Ich bin mir sicher, in ein paar Jahren wirst du das Jahr in Finnland wirklich als eines der schönsten deines Lebens in Erinnerung haben. Wir Menschen sind sehr gut im Selektieren der Erinnerungen ;o) Ich wünsche dir, dass du die letzten Wochen in vollen Zügen genießen kannst und den Kontakt zu den Menschen, die dir wichtig waren, nicht verlierst!

    Liebe Grüße
    Luci

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  5. das ist ein ganz tolles shirt, steht dir ausgezeichnet'
    'lg barbara

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  6. wunderschöne Worte....und wenn man sagen kann, dass man das Leben genießen und dankbar dafür sein kann, dann kann nicht mehr viel schiefgehen! Alles Gute für deine restliche Zeit in Finnland und die erste in Deutschland.
    Lieber Gruß von
    Natalie

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  7. Liebe Maira,
    ich finde mich in deinen Wörter und Gedanken wieder. Du hast genau die richtigen Wörter gefunden, dein Text ist großartig! Ich weiß nicht genau was ich dir noch sagen will, denn auch ich habe keine Tipps. Wir müssen es auf uns zukommen lassen und ich kann dir sagen, dass ich diesen Satz überhaupt nicht mag. Ich bin viel zu neugierig und will jetzt schon wissen, wie es seien wird. Aber so ist das Leben, und es wartet mit vielen Überraschungen auf uns. Wenn mir jemand vor ein paar Monaten gesagt hätte, dass ich eine Freundin haben werde, die in Finnland ein Auslandsjahr macht und genauso Nähverrückt ist wie ich und sich auch ihre Kleider näht, dann hätte ich ihm gesagt, er soll aufhören mir so was zu sagen, da ich es für unmöglich gehalten hätte!
    Aber unsere Wege haben sich gekreuzt und ich bin überglücklich darüber! Du bist aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken!:***
    Wir müssen lernen Abschied zu nehmen, aber sei froh über jeden einzelnen Menschen, den du vermissen wirst! Klar du weißt nicht wann genau, und ob du zurück kommen wirst. Ich bin mir sicher, dass du zurück gehen wirst! Sei froh darüber, dass du zurück gehen möchtest, denn ob ich zurückgehen werde weiß ich nicht...
    Letzte Male sind doof, aber dahinter steckt auch wieder ein Erstes Mal;) Ich wünsche dir morgen einen schönen Schultag! Mach Fotos mit den beiden, und versuche es zu genießen. Wenn du weinst, ist es nicht schlimm, peinlich ist das nicht!( es ist zwar doof in der Situation in der man weint, aber ausgelacht wird man nicht!)
    Genieße deine Restzeit, ich versuche meine ebenfalls zu genießen. Manchmal wäre es echt toll, wenn man seine Gedanken abschalten könnte, findest du nicht auch? Denn wir machen uns meistens viel zu viele;)
    Das Top ist soo toll, ich mag es total und war ja auch bei der "Geburt" quasi dabei;) Die Bilder von dir sind wie immer der Hammer! Dein Lachen hat mir über den Text hinweggeholfen.( bei dem ich fast anfangen musste zu weinen, weil ich hier an meine zuenedegehende Zeit denken musste) Dein Lachen ist toll, ich liebe es!:) Ich freue mich schon soo rießig, dich im Sommer kennenzulernen und es in echt zu sehen!:) Fühl dich gedrückt!!!:)
    Elli

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  8. Sehr tiefgründige Gedanken. Ich bewundere deinen Mut, den du mit deinem Auslandjahr bewiesen hast und vor allem, dass du zu deinen Gedanken und Gefühlen stehst. Wie viele leugnen ihre wahren Gefühle und versprechen sich das Blaue vom Himmel herunter?! Danke, dass du uns an deinem aufregenden Auslsndjshr hast teilhaben lassen.
    Dein Top ist natürlich wunderschön geworden. Die Farben und der Schnitt stehen dir hervorragend.
    Alles Liebe, Vivien

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  9. Ich danke Dir, für Deinen lieben Kommentar. Auch Dein Beitrag heute ist sehr schön und berührend! Mein Auslandsjahr in den USA liegt schon 23 Jahre zurück und trotzdem erinnere ich mich noch oft daran. Mir ging es sehr ähnlich, wie Dir. Es war nicht nur schön und aufgrund der viel schwierigeren Kommunikation damals, ohne Internet und Co, habe ich mich manchmal sehr einsam gefühlt. Aber es waren auch sehr viele schöne Erfahrungen dabei und genau wie Du bin ich Menschen begegnet, die mir gegenüber sehr offen waren und anderen, die sich überhaupt nicht für mich interessiert haben.
    Auch ich hatte Angst vor dem Zurückkommen und dann hat sich letztlich alles irgendwie ergeben. Ich wünsche Dir eine schöne letzte Zeit und eine gute Ankunft in Deiner Heimat!

    Liebe Grüße
    Lilo

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  10. Ein tolles Shirt und ein toller Einblick in Dein Auslandsjahr. Ich kann genau Deine Erfahrungen teilen, mein Jahr ist zwar schon eine ganze Weile her, aber ich denke, das vieles immer wieder ähnlich ist. Aber hej, so ist das Leben und man lernt unheimlich viel daraus.
    LG
    Kerstin

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  11. Ein sehr berührender Artikel. Ich kann es sehr gut nachvollziehen. Das ist ein wenig so, wie wenn man alleine in eine neue Stadt kommt und es eine gefühlte Ewigkeit dauert, bis man ankommt. Wichtig ist, die kleinen Dinge zu schätzen und sich an den schönen Momenten festzuhalten. Und das tust du ja. Behalte dir das. Das ist sehr viel wert.

    Dein Top ist sehr schön. Lieb, dass deine Mama dich mit Stoff versorgt. Und toll, dass du trotz Kälte so schön lächelst.

    Liebste Grüße
    el Benschi

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  12. Liebe Maira,
    danke für deinen Besuch. Es ist vielleicht nicht leicht, aber es ist der natürliche Weg, dass wir Eltern unsere Kinder loslassen müssen. Ich finde es nicht so schlimm, weil man langsam hinein wächst. Wenn die Kinder noch daheim wohnen, aber älter werden, gehen sie immer mehr ihren eigenen Weg und sind nicht mehr so viel zu Hause. Dadurch ist der Übergang zum Auszug nicht so schwierig.
    Dein Blog ist toll und du hast für dein Alter schon ganz Tolles gemeistert. Klasse wie du dein Auslandsjahr gelebt hast ... mit Höhen und Tiefen. Außerdem bin ich von deinen Nähkünsten begeistert. Bei fast jedem Schnitt steht dabei, dass er von dir selber ist. Hut ab! Du machst das echt klasse!
    Lieben Gruß und alles Gute für deine Rückkehr nach Deutschland,
    Trixi

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  13. Liebe Maira,
    ich habe kein Auslandsjahr gemacht und kann daher nur versuchen zu verstehen wie es dir gehen muss. Auf jeden Fall finde ich es toll, dass du uns hier davon erzählst. Und noch viel besser finde ich, wie du es dann doch geschafft hast bis hier her. Trotz der Zweifel und den einfach doofen Momenten, von denen du erzählt hast. Und du kannst mir glauben, die Freunde, die noch deine Freunde sind wenn du wieder nach Hause kommst, sind deine Freunde. Da bin ich mir sicher. Es kann gut sein, dass du das schon oft gehört hast, ich bin aber auch dieser Meinung :)
    Nun zu deinem Top: Es ist total schön! Ich mag diese Schößchen ja zunehmend gerne!
    Alles Liebe,
    Laura

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